Tiermedizinstudium

Das Tiermedizinstudium – ist es wirklich so schlimm?

„Tiermediziner büffeln am meisten“ – diese und viele weitere solcher Aussagen kursieren im Internet. Doch stimmt es wirklich? Ist das Tiermedizinstudium wirklich so schlimm? Ist das Lernpensum wirklich so enorm hoch? Lest hier meinen Erfahrungsbericht.

Das Tiermedizinstudium bedeutet ein sehr hohes Lernpensum

Anfang diesen Jahres habe ich nach 5 1/2 Jahren mein Tiermedizinstudium abgeschlossen und kann euch deshalb aus erster Hand sagen – ja, es stimmt (zum grossen Teil) wirklich.

Als ich im Oktober 2014 meinen Studienplatz in Tiermedizin angetreten habe, war ich überglücklich und wusste nicht wirklich, was mich erwartet. Am ersten Abend unserer Einführungsphase waren wir abends mit einigen Erstis und drei Studenten aus höheren Semestern etwas trinken und einer der drei erzählte mir, dass unser erstes Testat (eine kleine Prüfung) in zwei Wochen sein würde. Ich habe damals gedacht, er wollte mich auf den Arm nehmen. Aber das wollte er ganz und gar nicht. Das erste Testat war tatsächlich nach zwei Wochen – und so ging es dann weiter. Die ersten zwei Studienjahre bestanden eigentlich wirklich aus dauerhaftem Lernen – wir hatten Testate im wöchentlichen Abstand, teilweise sogar zwei in einer Woche. In den Semesterferien kamen dann die grossen Prüfungen dazu: erst das Vorphysikum und nach dem 4. Semester schliesslich das Physikum.

Aber keine Angst: nach dem Physikum wird es besser! Die Testate während der Vorlesungszeit fallen weg – und das macht enorm viel aus. Ab diesem Zeitpunkt hat man in den Semesterferien jeweils Staatsexamensprüfungen. Es gibt insgesamt 3 Staatsexamen – zwei finden während der Semesterferien ab dem 4. Semester statt und das dritte Staatsexamen ist dann im 11. Semester.

Die Prüfungen sind zu einem sehr grossen Teil mündlich. Je nach Typ Mensch kann das ein Vor- oder ein Nachteil sein. Ich persönlich habe die mündliche Prüfungen als ziemlich stressig und teilweise unfair empfunden. Aber das ist wie gesagt Typsache.

Man hat bei jeder Prüfung 3 Versuche – fällt man durch eine Prüfung dreimal durch, dann kann man nicht weiterstudieren. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich in meinem Jahrgang von keinem gehört habe, der eine Prüfung endgültig nicht bestanden hat. Die Prüfer lassen dann doch meistens Gnade vor Recht walten 😉

So lernintensiv, anstrengend und stressig das Studium auch ist – so schön ist es auf der anderen Seite auch. Das Studium schweisst sehr zusammen, die Tiermedizinstudenten sind wie eine grosse Familie. So war es zumindest bei uns. Und das macht einen grossen Teil des unschönen Parts wieder wett.

Schon oft wurde ich gefragt, ob ich mich wieder für das Tiermedizinstudium entscheiden würde, wenn ich die Zeit sechs Jahre zurückdrehen könnte. Ich muss sagen – ich glaube nicht. Das liegt nicht am Studium an sich, denn trotz des enorm hohen Lernpensums habe ich es sehr genossen. Man muss einfach seinen Rhythmus und seinen Weg finden, auf die regelmässigen Tiermedizinerpartys gehen und sich nicht allzu sehr stressen lassen. Man kommt auf jeden Fall durch die unzähligen Prüfungen, und auch wenn man mal eine wiederholen muss, dann ist das kein Weltuntergang. Allerdings sind die Arbeitsbedingungen und Gehaltsaussichten nach dem Studium recht schlecht, weswegen ich, wenn ich nochmal die Wahl hätte, einen anderen Weg gehen würde.

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